13 June 2026, 16:09

Angélica Liddells makabre Mishima-Hommage eröffnet die Wiener Festwochen 2024

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells makabre Mishima-Hommage eröffnet die Wiener Festwochen 2024

Die Wiener Festwochen 2024 eröffneten mit einer beeindruckenden Inszenierung über Leben, Tod und das Makabre. Am Donnerstag, dem 18. April, feierte Angélica Liddell im Volkstheater die Uraufführung ihres Stücks Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben. Die Produktion setzt sich mit dem Erbe des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima und dem Thema des rituellen Selbstmords auseinander.

Liddells Performance greift stark auf Mishimas Leben und seinen Seppuku im Jahr 1970 zurück. Sie inszeniert seinen rituellen Freitod neu, dabei Elemente des Nō-Theaters einbeziehend. Die Vorstellung integriert zudem einen Kurzfilm aus dem Jahr 1966, in dem Mishima seinen eigenen Tod in Szene setzte.

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Am 7. Januar 2024 wurde Liddell in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau – eine Erfahrung, die ihre Arbeit tief prägte. Für die Aufführung sammelte ihre Kompanie, Atra Bilis Teatro, Kleidungsstücke der Verstorbenen, die Liddell trägt, um deren Leid zu verkörpern.

Die Inszenierung besticht durch intensive Bilder: Liddell vermischt ihr Blut mit dem einer Mitspielerin und schleudert es auf eine Leinwand. Zudem atmet sie den Duft der Habseligkeiten der Toten ein, um deren Anwesenheit heraufzubeschwören. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Leben und Sterben jener, die sich selbst das Leben nahmen – mit Mishimas Geschichte als zentralem Bezugspunkt.

Die Premiere im Volkstheater bildete einen kühnen Auftakt zu den Festwochen, die sich in diesem Jahr dunklen Themen widmen. Liddells Werk verbindet persönliche Erfahrung mit historischer Reflexion und hinterlässt mit seiner rohen, symbolträchtigen Darstellung von Tod und Erinnerung einen bleibenden Eindruck.

Quelle