BGH entscheidet über Schufa-Transparenz: Werden Bonitätsbewertungen endlich verständlich?
Dorit GierschnerBGH entscheidet über Schufa-Transparenz: Werden Bonitätsbewertungen endlich verständlich?
Ein Rechtsstreit um Transparenz bei der Bonitätsbewertung hat nun den Bundesgerichtshof (BGH) erreicht. Fünf Kläger fordern von der Schufa detailliertere Auskünfte und werfen dem Unternehmen vor, nicht ausreichend zu erklären, wie persönliche Daten die Kreditwürdigkeit beeinflussen. Im Kern geht es um die Frage, ob die Schufa die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) an Nachvollziehbarkeit bei automatisierten Entscheidungen erfüllt.
Im März 2023 führte die Schufa ein neues Bewertungsmodell ein, das auf einer Skala von 100 bis 999 basiert und zwölf definierte Kriterien nutzt. Damit soll die Bewertung im Vergleich zum vorherigen, komplexeren System vereinfacht werden.
Das Oberlandesgericht Dresden urteilte kürzlich, dass die Schufa Verbrauchern ermöglichen muss, die zentralen Faktoren und Gewichtungen hinter ihren Bonitätswerten nachzuvollziehen. Diese Entscheidung erhöht den Druck, während der BGH in Karlsruhe nun über den Fall entscheiden soll. Das Gericht muss klären, ob die von der Schufa bereitgestellten Datensätze ausreichend Aufschluss über die Logik der Bewertung und die entscheidenden Faktoren geben – so wie es die DSGVO verlangt.
Die Schufa betont, ihre aktuellen Auskünfte seien bereits gesetzeskonform. Die Kläger hingegen fordern tiefere Einblicke in die Berechnungsmethoden. Das Urteil könnte richtungsweisend für die Transparenz algorithmischer Entscheidungen werden und damit auch andere Auskunfteien sowie KI-Systeme betreffen.
Ab November 2026 treten neue Transparenzregeln für „materielle Scoring-Systeme“ in Kraft, die die Anforderungen an den Betrieb solcher Systeme verschärfen. Das neue Bewertungsmodell der Schufa soll bis Ende 2028 vollständig umgesetzt sein.
Die Entscheidung des BGH wird zeigen, ob die Schufa künftig detailliertere Erklärungen zu ihren Bonitätsbewertungen liefern muss. Zudem könnte das Urteil die DSGVO-Pflichten für automatisierte Bewertungen in verschiedenen Branchen prägen. Klarheit in diesen Fragen würde Auswirkungen darauf haben, wie datengetriebene Systeme in Deutschland funktionieren.






