Bürgergeld-Studie zeigt: Langzeitarbeitslose bleiben oft ohne Jobchance trotz Reformen
Bela WinklerFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Bürgergeld-Studie zeigt: Langzeitarbeitslose bleiben oft ohne Jobchance trotz Reformen
Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung offenbart gravierende Probleme im deutschen Sozialsystem für Langzeitarbeitslose. Die Untersuchung, die auf einer Befragung von über 1.000 Bürgergeld-Empfängern basiert, zeigt sinkende Vermittlungsquoten in den Arbeitsmarkt seit Einführung der Leistung im Jahr 2023. Gleichzeitig hat die Bundesregierung strengere Reformen beschlossen, die Mitte 2026 in Kraft treten sollen.
Die zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Erhebung befragte Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mindestens ein Jahr lang Bürgergeld bezogen hatten. Während 46 Prozent mit mehreren Hürden konfrontiert waren – etwa gesundheitlichen Problemen oder fehlenden Qualifikationen –, kämpften viele andere trotz geringerer Hindernisse um eine Anstellung. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass Besuche im Jobcenter ihre Jobchancen kaum verbessert hätten.
Die Kompetenz der Jobcenter-Mitarbeiter wurde zwar positiv bewertet, doch die Studie plädiert für einen Strategiewechsel. Empfohlen werden mehr individuelles Coaching, gezielte Weiterbildungen und direkte Arbeitsplatzangebote, um die Vermittlungserfolge zu steigern. Bei Personen mit weniger gravierenden Hindernissen schlägt der Bericht vor, die Eigeninitiative bei der Stellensuche stärker zu fördern – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Betreuung verringert. Dadurch könnten Fallmanager mehr Zeit für besonders benachteiligte Arbeitslose gewinnen.
Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Integrationsquoten von Langzeitarbeitslosen seit der Ablösung von Hartz IV durch das Bürgergeld im Jahr 2023 deutlich gesunken sind. Zwar sollte das neue System ursprünglich bessere Umschulungsmöglichkeiten bieten, doch wirtschaftliche Rahmenbedingungen und politische Kurswechsel haben seine Wirkung abgeschwächt. Als Reaktion verabschiedete der Bundestag im März 2025 eine Reform, die ab dem 1. Juli 2026 ein strengeres Sozialsystem einführen wird. Künftig drohen Empfängern, die sich nicht an die Vorgaben halten, spürbare Kürzungen ihrer Leistungen.
Die Bertelsmann-Studie unterstreicht die Notwendigkeit zielgerichteter Unterstützung, um Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte mit multiplen Hindernissen kämpft, zielen die geplanten Reformen darauf ab, strengere Auflagen mit gezielterer Förderung in Einklang zu bringen. Ob die ab 2026 geltenden Verschärfungen und verbesserten Qualifizierungsmaßnahmen den Rückgang bei der Arbeitsmarktintegration umkehren können, bleibt abzuwarten.