Deutsche Industrie baut Jobs ab – und setzt auf Automatisierung und Auslandsstandorte
Dorit GierschnerDeutsche Industrie baut Jobs ab – und setzt auf Automatisierung und Auslandsstandorte
Deutsche Industrieunternehmen gestalten ihre globalen Strategien neu. Viele planen, bis 2030 ihre Präsenz in Indien und anderen ausländischen Märkten auszubauen, während sie gleichzeitig im Inland Stellen abbauen. Durch Automatisierung und künstliche Intelligenz sinkt der Bedarf an neuen Arbeitskräften – trotz eines Umsatzwachstums von etwa 4 %.
Störungen in den Lieferketten bleiben das größte operationelle Risiko für Unternehmen. Als Reaktion setzen Firmen vermehrt auf den Ansatz „lokal für lokal“, um die Produktion näher an die Kunden zu verlagern. Steigende Zölle und Handelsbarrieren treiben Unternehmen zusätzlich dazu, vor Ort zu produzieren, statt sich auf globale Netzwerke zu verlassen.
Die hohen Kosten in Deutschland beschleunigen diesen Wandel. Die Lohnkosten liegen 22 % über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa. Übermäßige Bürokratie und teure Energie verstärken den Druck. In der Folge verlagern Konzerne Produktion und Forschung ins Ausland, um Kosten zu sparen und die lokale Nachfrage effizienter zu bedienen.
Der Stellenabbau hat bereits begonnen. Bis Anfang 2026 hatte die deutsche Industrie innerhalb eines Jahres 127.300 Arbeitsplätze verloren – seit 2019 summieren sich die Verluste auf 341.500. Der Chemiekonzern Evonik plant, weitere 3.200 Stellen zu streichen, vor allem in Deutschland, nachdem seit 2024 bereits 2.800 Verwaltungsjobs abgebaut wurden. Nur 16 % der Unternehmen wollen in Deutschland mehr Personal einstellen; die meisten neuen Investitionen und Arbeitsplätze fließen in Regionen wie Indien, China und Nordamerika.
Rund 40 % der Investitionsbudgets bis 2030 bleiben zwar in Deutschland. Diese Mittel dienen jedoch vor allem der Instandhaltung bestehender Standorte und der Einführung von Automatisierung. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen dagegen deutlich häufiger im Ausland.
Die Verschiebung bedeutet weniger Jobs in Deutschland und Westeuropa. Unternehmen setzen auf Automatisierung und lokale Produktion, um ihre wichtigsten Märkte zu bedienen. Zwar wird mit weiterem Umsatzwachstum gerechnet, doch die Belegschaft in den traditionellen Industrieregionen wird weiter schrumpfen.
