Deutsche Industrie leidet unter Chaos im Schienengüterverkehr und weicht auf LKWs aus
Rebekka LangernDeutsche Industrie leidet unter Chaos im Schienengüterverkehr und weicht auf LKWs aus
Deutsche Industrien kämpfen mit wachsenden Störungen durch anhaltende Probleme im Schienengüterverkehr
Verzögerungen und Kapazitätsengpässe im Netz der Deutschen Bahn zwingen Unternehmen zunehmend, auf den Straßengüterverkehr auszuweichen. Schlüsselsektoren wie Stahl, Chemie und Automobilbau verzeichnen steigende Verluste und Produktionsverzögerungen als direkte Folge.
Bauarbeiten und anhaltende Störungen im Schienennetz der Deutschen Bahn haben die verfügbaren Kapazitäten für den Gütertransport stark eingeschränkt. Die Automobilindustrie, die einst stark auf die Schiene setzte, verlagert seit 2022 vermehrt Waren auf die Straße. Dieser Wandel vollzieht sich, während die Hersteller mit schrumpfenden Transportoptionen per Bahn zu kämpfen haben.
Die Stahlbranche ist für fast die Hälfte ihrer Lieferungen auf die Schiene angewiesen – sowohl für Rohstoffe als auch für Fertigprodukte. Das Werk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt sieht sich aufgrund der Transportprobleme nun mit kritisch niedrigen Erzvorräten konfrontiert. Die Produktion stockt, da Lieferverzögerungen rechtzeitige Anlieferungen verhindern.
Auch die chemische Industrie ist betroffen: Fast 25 Millionen Tonnen Produkte werden jährlich per Bahn transportiert. Verspätete Rohstofflieferungen und begrenzte Lagerkapazitäten für Fertigwaren führen zu wiederholten Produktionsstillständen. Steigende Kosten und Ertragsausfälle prägen mittlerweile den gesamten Sektor.
Industrievertreter fordern von der Deutschen Bahn unverzügliche Maßnahmen zur Wiederherstellung zuverlässiger Güterverkehrsdienste. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup mahnt bessere Planung, Koordination und Priorisierung von Güterzügen an. Ohne Verbesserungen drohen weitere Störungen und finanzielle Einbußen für die wichtigsten Industriebranchen.
