02 April 2026, 14:13

Digitale Gewalt gegen Jugendliche: Wie Thüringen mit Workshops kämpft

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Rape Ain't Right: Sexual Assault is a Serious Issue" auf einem weißen Hintergrund, eingerahmt von einem schwarzen Rand.

Digitale Gewalt gegen Jugendliche: Wie Thüringen mit Workshops kämpft

Digitale sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche ist in Deutschland zu einem weitverbreiteten Problem geworden. Aktuelle Studien zeigen, dass fast die Hälfte aller 14- bis 25-Jährigen bereits Formen sexueller Belästigung im Netz erlebt hat – von der nicht einvernehmlichen Verbreitung intimer Bilder bis hin zu Cybergrooming. Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat nun versucht, das Problem mit Schulworkshops zu bekämpfen und damit Tausende Schülerinnen und Schüler erreicht.

Zwischen 2022 und 2025 leitete Yasmina Ramdani Präventionsworkshops in ganz Thüringen und klärte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klassen auf. Das vom Landesbeauftragten für den Kinderschutz geförderte Projekt konzentrierte sich auf die Sensibilisierung für Risiken wie Cybergrooming – also die gezielte Kontaktaufnahme von Tätern zu Minderjährigen im Netz, oft als Vorstufe zu Missbrauch. Fast ein Viertel der Jugendlichen gab 2025 an, bereits solche Erfahrungen gemacht zu haben.

Mehrere Faktoren begünstigen die Verbreitung digitaler Gewalt: unkontrollierte Internetnutzung, Gruppendruck und mangelnde Medienkompetenz. Viele Vorfälle ereignen sich in Freundeskreisen oder Klassenchats, oft aus Naivität statt mit böser Absicht. Lehrkräfte fühlen sich hingegen häufig überfordert und fordern bessere Fortbildungen sowie mehr Unterstützung im Umgang mit solchen Fällen.

Das öffentliche Bewusstsein für digitale Gewalt wächst, und immer mehr Menschen erkennen, dass Täter nicht immer Fremde sind. Prominente Fälle wie die Vorwürfe gegen den Schauspieler Christian Ulmen durch seine Ex-Frau Collien Fernandes haben das Thema in den Fokus gerückt. Fernandes warf ihm vor, gefälschte Profile angelegt, Deepfake-Pornografie verbreitet und körperliche Gewalt ausgeübt zu haben – ein Beispiel für die gravierenden Folgen digitaler Schikane.

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Auch Eltern und Tech-Plattformen tragen eine zentrale Verantwortung bei der Prävention. Expertinnen und Experten raten Familien, über Grenzen zu sprechen und die Online-Aktivitäten von Kindern zu begleiten. Kritiker monieren hingegen, dass Plattformen von Systemen profitieren, die solche Übergriffe erst ermöglichen. Ob das Thüringer Projekt nach den Sommerferien 2026 fortgeführt wird, hängt von weiteren Fördergeldern ab.

Die Pilotworkshops in Thüringen haben Tausende erreicht – doch die Herausforderungen bleiben. Fast die Hälfte der Jugendlichen ist von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen, und Schulen, Eltern sowie die Politik stehen unter Druck, die Prävention zu verbessern. Die Debatte dreht sich mittlerweile auch um schärfere Regulierungen für Plattformen und bessere Unterstützung für Lehrkräfte im Umgang mit solchen Fällen.

Quelle