Gabriele Stötzers mutige Kunst: Widerstand, Feminismus und DDR-Erbe im Gropius Bau
Vesna DöhnGabriele Stötzers mutige Kunst: Widerstand, Feminismus und DDR-Erbe im Gropius Bau
Gropius Bau zeigt große Einzelausstellung von Gabriele Stötzer
Unter dem Titel „Dabei sein und nicht schweigen“ präsentiert Berlins Gropius Bau eine umfassende Werkschau der Künstlerin Gabriele Stötzer. Rund 150 Exponate – darunter Videos, Fotografien und Textilkunst – sind bis zum 6. Dezember 2023 zu sehen.
Stötzers Leben und Werk sind untrennbar mit ihren Erfahrungen in der DDR verbunden. Nach ihrer Unterschrift unter eine Petition gegen die Ausbürgerung des Dichters Wolf Biermann verbrachte sie ein Jahr im Gefängnis. Dort nähte sie Strumpfhosen – ein Akt des Widerstands, der später zu einem festen Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis wurde.
Aufgewachsen in der DDR, lebte sie Feminismus, Fotografie und Webkunst offen aus. Später gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Erfurter Künstlerinnengruppe und beteiligte sich 1989 an der Besetzung der Stasi-Bezirksverwaltung in Erfurt. Ihr Schaffen spiegelt diese Kämpfe und Überzeugungen wider.
Die Ausstellung zeigt unter anderem übergroße Wollfiguren von Frauen, teilweise inspiriert von den Frauen der Ukraine. Stötzer lehnt es ab, allein als „DDR-Künstlerin“ bezeichnet zu werden – solche Zuschreibungen empfindet sie als langweilig und einengend. Im August wird sie im Rahmen der Schau eine Performance auf dem Dach des Gropius Baus aufführen. Im Oktober erhält sie den Goslarer Kaiserring, eine der renommiertesten Kunstauszeichnungen Deutschlands.
Die Ausstellung würdigt Stötzers vielschichtiges, politisch engagiertes Œuvre, das Jahrzehnte des Aktivismus, der künstlerischen Arbeit und persönlichen Widerstandskraft umfasst. Sie bietet einen seltenen Einblick in das Werk einer Künstlerin, die Schweigen und Unterdrückung stets herausgefordert hat.






