Haus der Kulturen der Welt: Wie ein T-Shirt-Skandal Berlins Kulturinstitution isoliert
Rebekka LangernHaus der Kulturen der Welt: Wie ein T-Shirt-Skandal Berlins Kulturinstitution isoliert
Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer sich zuspitzenden Krise – nach einer Welle von Absagen und politischem Druck. Der jüngste Eklat betrifft den schwäbischen Rapper Chefket, dessen Konzert wegen eines "Palästina"-T-Shirts mit arabischer Kalligrafie und der Umrisszeichnung Israels abgesagt wurde. Die Folgen haben die Institution isoliert: Aus Solidarität verweigern nun alle anderen deutschen Künstler Auftritte im HKW.
Das HKW, einst ein Leuchtturm der internationalen Kultur, kämpft seit Längerem mit wachsendem finanziellen und politischen Druck. Seit 2022 kürzte die Ampel-Koalition den Bundeshaushalt – auch unter dem Einfluss der wachsenden Opposition der AfD gegen "globalistische" Ausgaben. Die Mittel des HKW wurden drastisch gestrichen, die Mitarbeiterzahl um 20 Prozent reduziert, Programme gestrichen und der Fokus auf nationale Projekte verlagert. Kritiker wie der Kulturtheoretiker Joseph Vogl werfen der Regierung vor, Deutschlands kulturellen Einfluss im Ausland systematisch zu untergraben.
2023 übernahm der kamerunische Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung die Intendanz und machte das HKW zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geleitet wird. Doch sein postkolonialer Ansatz stieß in Teilen des deutschen Kulturbetriebs auf Widerstand. Aktuelle Vorfälle – etwa die Absage von Chefkets Konzert nach einer Intervention von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer – verschärften die Debatte weiter.
Das HKW hatte versucht, mit prominenten Veranstaltungen wieder Aufmerksamkeit zu gewinnen, darunter ein Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil und die Ausstellung Die Möglichkeit der Unvernunft des Satirikers Jan Böhmermann. Doch der Chefket-Skandal überschattete diese Bemühungen. Das T-Shirt des Rappers, von manchen als politische Stellungnahme zum Nahostkonflikt interpretiert, löste eine Welle der Empörung aus. Als Reaktion sagten sämtliche deutschen Künstler, die im HKW auftreten sollten, ihre Auftritte ab.
Trotz seiner exponierten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts wird die Institution von der Bundespolitik zunehmend kaltgestellt. Der jüngste Konflikt hat ihren internationalen Ruf weiter beschädigt – die Zukunft des HKW ist ungewiss.
Die Einrichtung steht nun am Scheideweg: Ihr weltweites Ansehen ist erschüttert, die heimische Unterstützung bröckelt. Die Absage von Chefkets Konzert hat nicht nur die Gräben vertieft, sondern auch alle weiteren Künstlerauftritte gestoppt. Ohne eine Kehrtwende in der politischen Rückendeckung oder in der öffentlichen Wahrnehmung droht dem HKW als Brücke zwischen den Kulturen die weitere Marginalisierung.