Kleist-Festival 2025 verbindet historische Dramen mit heutigen Krisen in Frankfurt (Oder)
Bela WinklerKleist-Festival 2025 verbindet historische Dramen mit heutigen Krisen in Frankfurt (Oder)
Das Kleist-Festival 2025 findet vom 7. bis 12. Oktober in Frankfurt (Oder) statt. In diesem Jahr würdigt die Veranstaltung das Erbe Heinrich von Kleists, des im Jahr 1777 in der Stadt geborenen Dramatikers des 18. Jahrhunderts. Die Organisatoren möchten sein Werk mit aktuellen Themen verknüpfen – von Gerechtigkeit und Macht über den Klimawandel bis hin zu politischem Extremismus.
Das Programm vereint Theater, Musik und Literatur, darunter eine Punk-Oper und ein neues Stück über Radikalisierung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Musik Kleists Schaffen geprägt hat. Gleichzeitig verankern Aufführungen seines Klassikers Der zerbrochene Krug – der bis heute an deutschen Schulen behandelt wird – das Festival in der Tradition.
Kleists Einfluss auf das deutsche Theater wächst seit dem 19. Jahrhundert stetig. Während Der zerbrochene Krug längst zum Schulkanon gehört, waren es Regisseure wie Max Reinhardt, die seine Werke zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder auf die Bühne brachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangten Kleists Stücke kanonischen Status und wurden an führenden Häusern wie der Berliner Schaubühne oder dem Thalia Theater Hamburg regelmäßig aufgeführt. Zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren erlebte seine Rezeption einen Höhepunkt, geprägt von Neudeutungen unter Regisseuren wie Heiner Müller und Peter Zadek. Heute sind seine Themen wie Gerechtigkeit und Macht nach wie vor aktuell und inspirieren zeitgenössische Adaptionen.
Das diesjährige Festival kombiniert Bewährtes mit Neuem: Neben dem Klassiker Der zerbrochene Krug wird Schroffenstein: In Grund und Boden zu erleben sein – eine Punk-Oper, die Arien, Punk-Hymnen und gesprochene Szenen verbindet. Außerdem feiert Theresia Walsers neues Stück Premiere, das den Abstieg einer Schule in den Extremismus unter einem rechtsextremen Regime thematisiert. Über die Bühnenprogramme hinaus umfasst die Veranstaltung eine Ausstellung, ein Chor-Konzert und Diskussionsrunden, die Kleists Ideen mit heutigen Krisen verknüpfen.
2025 steht die Musik im Mittelpunkt – ein Verweis auf ihre Bedeutung für Kleists kreativen Prozess. Der Zeitpunkt des Festivals fällt mit den Vorbereitungen für das Kleist-Jahr 2027 in Frankfurt (Oder) zusammen, das an seinen 250. Geburtstag erinnern wird. Die Veranstalter hoffen, sowohl Fachleute als auch ein breites Publikum anzusprechen und mithilfe seines Werks aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu beleuchten.
Das sechs Tage dauernde Kleist-Festival 2025 bietet Aufführungen, Gespräche und Ausstellungen. Es schlägt eine Brücke zwischen historischem Drama und drängenden Debatten der Gegenwart – von politischem Extremismus bis zum ökologischen Kollaps. Frankfurt (Oder) wird das Festival 2027 mit einer größeren Feier fortsetzen und so dafür sorgen, dass Kleists Erbe weiter nachwirkt.