Kölner Archiv-Einsturz 2009: Warum die Wunde bis heute offen bleibt
Rebekka LangernKölner Archiv-Einsturz 2009: Warum die Wunde bis heute offen bleibt
Ein tragisches Bauunglück in Köln hinterließ tiefe Wunden, als das historische Stadtarchiv 2009 einstürzte. Zwei Menschen kamen ums Leben, jahrhundertealte Dokumente gingen für immer verloren, und benachbarte Kirchen erlitten schwere Schäden. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Stelle noch immer ein Symbol ungelöster Fragen und unbewältigter Trauer.
Der Einsturz ereignete sich während des Baus der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit großflächigen Tunnelprojekten verfügten, waren für die Baumaßnahme verantwortlich. Vor der Katastrophe waren entscheidende Stahlträger gestohlen und als Schrott verkauft worden – die Statik des Gebäudes war damit fatally geschwächt. Als der Boden nachgab, riss ein gewaltiger Krater auf und verschlang das Archiv im Ganzen.
Zwei junge Männer starben in den angrenzenden Häusern, als der Boden unter ihnen wegbrach. Das Archiv, in dem 1,7 Millionen Dokumente aus tausend Jahren Kölner Geschichte lagerten, wurde zerstört. Die Druckwelle beschädigte mehrere nahegelegene Kirchen, darunter St. Maria im Kapitol und St. Georg, deren Mauern bis heute sichtbare Risse aufweisen.
Jahre lang zogen sich die juristischen Verfahren hin. Es gab Verurteilungen und Freisprüche, doch 2024 wurde das Verfahren schließlich wegen Verfahrensfehlern und nachlassenden öffentlichen Interesses eingestellt. Unterdessen kämpft die Initiative ArchivKomplex seit 2011 für einen würdigen Gedenkort und Mitsprache bei den Neubauplänen.
2022 brachte der Künstler Reinhard Matz mit "Klagelied in acht Tafeln" eine bildhafte Chronik des Einsturzes an der Bauzäunen an. Heute ist die Stelle noch immer eine chaotische Baustelle mit Baggern und Lkw, ohne klaren Zweck. Die provisorische Betonbarriere soll bald entfernt werden, da die U-Bahn-Arbeiten wiederaufgenommen werden – versprochen wird eine Fahrzeitverkürzung um acht Minuten.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat tiefe Spuren in der Stadt hinterlassen. Die juristischen Auseinandersetzungen endeten ohne abschließende Klärung, und die Baustelle bleibt unvollendet. Während die Arbeiten weitergehen, hält sich der Ruf nach angemessener Erinnerung und Aufarbeitung hartnäckig.






