16 March 2026, 22:16

Kölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Stadttore vor dem Verfall

Alte 18. Jahrhundert-Karte von Köln, Deutschland, zeigt Gebäude, Bäume und Text auf altem Papier.

Kölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Stadttore vor dem Verfall

Sieben der mittelalterlichen Stadttore Kölns stehen noch heute – bewahrt nicht durch die Stadt selbst, sondern durch örtliche Karnevalsvereine. Diese historischen Bauwerke, darunter das Hahnentor und das Severinstor, sind im Erbbaurecht an Vereine verpachtet, die sie restaurieren und instand halten. Doch nicht nur Tore wurden gerettet: Private Initiativen bewahrten auch Wahrzeichen wie die Überwasserkirche oder den Mauritiusturm vor dem Verfall.

Das Hahnentor, eines von nur noch vier erhaltenen mittelalterlichen Toren, dient heute als Hauptsitz der Kölner EhrenGarde, einem 1902 gegründeten Korps. Der Verein widmet sich karnevalistischen Traditionen, Tanz und Reitvorführungen. Ganz in der Nähe sehen sich die Roten Funken als moderne Nachfolger der StadtSoldaten des 17. bis 19. Jahrhunderts. Ihr besonderer Karnevalsbeitrag: eine lebensgroße Bronzefigur vor ihrem Laden an der Ulrepforte – die sogar über die Website "spricht".

Auch andere Vereine übernehmen Patenschaften für das Kulturerbe. Die Blauen Funken, die sich 1870 von den Roten Funken abspalteten, führen seitdem den Rosenmontagszug an. Die Prinzen-Garde Köln 1906, wegen ihrer weiß-roten Uniformen scherzhaft Mählsäcke (Mehlsäcke) genannt, nutzen wiederum einen Abschnitt der alten Stadtmauer. Das ganze Jahr über proben die Gruppen hier für die nächste Session – mit Tänzen und Auftritten.

Doch nicht nur Tore profitieren von privatem Engagement. Der Verein Überwasser-Freunde kümmert sich um die Überwasserkirche, während Mauritiusturm e.V. den Mauritiusturm am Steinweg erhält. Selbst die Holzmarktbrücke überdauerte dank Spenden und Stiftungen. Jedes Projekt sorgt dafür, dass Kölns mittelalterliches Erbe sichtbar bleibt – und lebendig genutzt wird.

Durch diese ungewöhnlichen Partnerschaften sind die Karnevalsvereine zu unfreiwilligen Hütern der Geschichte geworden. Die Tore und Mauern, die sie pflegen, bleiben der Öffentlichkeit zugänglich und verbinden jahrhundertealtes Mauerwerk mit lebendiger Tradition. So bewahren sie nicht nur das städtebauliche Erbe, sondern auch den festlichen Geist Kölns – Seite an Seite.

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