15 May 2026, 08:16

Mercedes und KNDS verhandeln über Umwandlung deutscher Werke in Rüstungsproduktion

Militärischer Mannschaftstransporter mit einer montierten großen Waffe, der auf einer Straße neben einem Wald fährt, mit Pflanzen unten und Bäumen im Hintergrund.

Mercedes und KNDS verhandeln über Umwandlung deutscher Werke in Rüstungsproduktion

Tiefgreifende Veränderungen stehen der deutschen Automobil- und Rüstungsindustrie bevor. Mercedes-Benz plant, die Produktion seines Sprinter-Transporters bis 2030 nach Polen zu verlagern, wodurch das Werk in Ludwigsfelde ohne klare Zukunftsperspektive zurückbleibt. Gleichzeitig will der Rüstungskonzern KNDS seine Kapazitäten für militärische Fahrzeuge mit einer Milliarde Euro ausbauen.

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Die mögliche Übernahme zweier deutscher Automobilwerke könnte sowohl die zivile als auch die militärische Fertigung in der Region neu ordnen. Mercedes-Benz hat angekündigt, die Sprinter-Produktion ab etwa 2030 von Ludwigsfelde ins polnische Jawor zu verlegen. Damit stünde der deutsche Standort ohne definierte Aufgabe da. Als Anpassungsmaßnahme prüft das Unternehmen Optionen, darunter die Teilvermietung des Ludwigsfelder Werks an KNDS für die Herstellung militärischer Fahrzeuge.

Der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS verhandelt nicht nur über die Übernahme des Standorts Ludwigsfelde, sondern auch über das Volkswagen-Werk in Osnabrück, das 2027 schließen soll. Das Unternehmen bestätigte Gespräche mit mehreren Firmen zur Kapazitätserweiterung. Bereits 2021 hatte KNDS das Alstom-Werk in Görlitz übernommen – ein Zeichen für seine Strategie, Industrieanlagen für die Rüstungsproduktion umzuwidmen.

Die Bundeswehr plant in den kommenden Monaten die Bestellung von bis zu 3.000 gepanzerten Radfahrzeugen vom Typ Boxer. Um diese Nachfrage zu bedienen, will KNDS in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten für Panzer und Militärfahrzeuge investieren. Mercedes-Benz lehnte hingegen eine Stellungnahme zu den Verhandlungen mit KNDS ab.

Volkswagen wiederum lotet „tragfähige Perspektiven“ für das Osnabrücker Werk aus. Das Unternehmen steht mit verschiedenen Marktteilnehmern in Kontakt, darunter auch KNDS, um die Zukunft des Standorts über 2027 hinaus zu sichern. Sollten die Deals zustande kommen, würde KNDS zwei zentrale Produktionsstätten in Deutschland übernehmen. Die Werke in Ludwigsfelde und Osnabrück könnten dann von der zivilen zur militärischen Fertigung wechseln. Diese Entwicklung würde nicht nur der steigenden Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen gerecht werden, sondern auch die industrielle Landschaft des Landes nachhaltig verändern. Mercedes-Benz und Volkswagen müssten ihre Strategien anpassen – der eine durch Produktionsverlagerung ins Ausland, der andere durch die Suche nach neuen Partnerschaften.

Quelle