Müllers AfD-Forderung spaltet CDU nach Baden-Württembergs Wahl-Debakel
Dorit GierschnerMüller-Chef ermutigt CDU zu Koalition mit AfD - Müllers AfD-Forderung spaltet CDU nach Baden-Württembergs Wahl-Debakel
Theo Müller, ein prominentes Mitglied der CSU, hat mit der Forderung nach einer möglichen Zusammenarbeit der CDU mit der rechtspopulistischen AfD in Baden-Württemberg eine neue Debatte ausgelöst. Seine Äußerungen folgen auf die knappe Landtagswahl, bei der die Grünen die CDU nur knapp überflügelten und die Zukunft der Union in der Regierungsverantwortung ungewiss bleibt.
Der Milchindustrielle stellt sich damit gegen die offizielle Linie der CDU, die jede Kooperation mit der AfD ausschließt. Stattdessen plädiert Müller dafür, dass die Union einen eigenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten aufstellen sollte, anstatt die bestehende Koalition mit den Grünen fortzuführen.
Die Wahlergebnisse zeigen eine Verschiebung der politischen Landschaft in Baden-Württemberg: Die Grünen legten auf 30,2 Prozent zu und festigten ihre Position als stärkste Kraft, während die CDU auf 29,7 Prozent fiel. Besonders junge Wähler wandten sich von der Union ab, und die SPD hielt sich mit 5,5 Prozent nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. Die AfD hingegen verzeichnete deutliche Zugewinne und kam auf 18,8 Prozent, während die FDP/DVP mit 4,4 Prozent aus dem Landtag flog.
Da eine grün-rote Koalition rechnerisch unmöglich ist – sie käme nur auf 77 der für eine Mehrheit benötigten 78 Sitze –, bleibt die aktuelle Ampelkoalition aus Grünen und CDU die einzige realistische Option. Müller kritisiert diesen Kurs jedoch offen und wirft der CDU vor, sich mit Cem Özdemir (Grüne) nicht "mit der zweiten Geige" begnügen zu dürfen. Stattdessen lobt er wiederholt die AfD, bezeichnet deren Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier als "vernünftig" und schlägt vor, eine CDU-geführte Regierung könnte mit Tolerierung durch die AfD regieren.
Nicht zum ersten Mal sorgt Müller mit seiner Haltung zur AfD für Aufsehen. Bereits zuvor hatte er sich mit der AfD-Co-Vorsitzenden Alice Weidel getroffen und sie als "Freundin" bezeichnet. Seine jüngsten Aussagen haben nun die innerparteilichen Spannungen in der CDU neu entfacht, die an ihrer klaren Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit mit der Rechtspopulisten festhält.
Angesichts der Wahlergebnisse hat die CDU nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten: Die Grünen bleiben die dominierende Kraft, während der Aufstieg der AfD die Koalitionsverhandlungen zusätzlich verkompliziert. Müllers Werben für ein Bündnis mit der AfD widerspricht dabei klar der Parteilinie und könnte die internen Konflikte weiter anheizen.
Vorerst gilt die Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition als wahrscheinlichstes Szenario – doch Müllers Äußerungen sorgen dafür, dass die Diskussion über den künftigen Kurs der CDU weitergeht.