NDR klagt gegen Zensur: Neuer Rechtsstreit um Julian Reichelt und Bild-Skandal
Dorit GierschnerNDR klagt gegen Zensur: Neuer Rechtsstreit um Julian Reichelt und Bild-Skandal
Ein langjähriger Rechtsstreit um Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt nimmt eine neue Wendung: Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender NDR treibt nun ein vollständiges Gerichtsverfahren voran, um zensierte Passagen eines kritischen Berichts wiederherzustellen. Der Fall begann vor fast fünf Jahren mit den ersten Enthüllungen des Spiegel.
Die Kontroverse hatte 2019 begonnen, als der Spiegel erstmals über Reicheltes Verhalten berichtete. Im Februar 2023 griff die ARD-Sendung Reschke Fernsehen die Vorwürfe auf und warf Reichelt Machtmissbrauch während seiner Zeit bei Bild vor. Das Magazin berichtete zudem, mehrere Frauen, die im Rahmen der internen Untersuchungen des Axel-Springer-Verlages aussagten, hätten später berufliche Nachteile erlitten.
Reichelt bestreitet die Vorwürfe seit jeher. Er sieht sich als Opfer einer politischen Kampagne und erstritt vor Gericht die Löschung von Teilen des Reschke Fernsehen-Berichts. Ein Eilantrag führte dazu, dass der Sender zentrale Abschnitte zensieren musste; die ursprüngliche Sendung wurde inzwischen aus der ARD-Mediathek entfernt.
Nun klagt der NDR gegen diesen Beschluss und fordert ein vollständiges Verfahren. Der Sender will Zeugen vernehmen, darunter eine Frau, die Reichelt vorwirft, sie zu einer sexuellen Beziehung gedrängt zu haben. Warum der NDR den Fall weiterverfolgt, blieb jedoch unklar. Angesichts der oft zähen Presserechtsverfahren in Deutschland könnte sich das Verfahren noch hinziehen.
Im Mittelpunkt des Rechtsstreits steht die Frage, ob die zensierten Passagen des Berichts wieder veröffentlicht werden dürfen. Während Reichelt seine Unschuld betont, setzt sich der NDR für Transparenz ein. Das Urteil könnte auch prägend für künftige Medienrecherchen zu Fehlverhalten am Arbeitsplatz sein.






