Neue Momentanreserve soll Deutschlands Stromnetz in Millisekunden stabilisieren
Bela WinklerNeue Momentanreserve soll Deutschlands Stromnetz in Millisekunden stabilisieren
Deutschlands Stromnetz führt neues Werkzeug für stabile Stromversorgung ein
Mit der sogenannten Momentanreserve soll das Netz plötzliche Schwankungen in der Netzfrequenz ausgleichen. Seit dem 22. Januar 2026 wird dieser Service über marktbasierte Auktionen eingekauft – doch bisher hat kein Anbieter alle technischen Anforderungen vollständig erfüllt.
Der Wandel kommt zu einer Zeit, in der klassische Kraftwerke zurückgehen und das Netz zunehmend auf erneuerbare Energien setzt. Dadurch steigt der Bedarf an schnellen Lösungen, um die Stabilität zu gewährleisten.
Die Momentanreserve fungiert als Sofortmaßnahme bei Stromengpässen oder -spitzen. Weicht die Netzfrequenz zu stark von den erforderlichen 50 Hertz ab, greift das System ein, um Blackouts oder Schäden an Geräten zu verhindern. Im Gegensatz zu anderen Reserveleistungen benötigt es nur sehr wenig Energie, muss jedoch innerhalb von Millisekunden reagieren.
Besonders Batteriespeichersysteme eignen sich für diese Aufgabe. Sie können überschüssigen Strom schnell aufnehmen oder bei Bedarf zusätzliche Energie abgeben. Betreiber können zudem ungenutzte Kapazitäten ihrer Wechselrichter nutzen, um Zusatzeinnahmen zu erzielen.
Die Preise für die Momentanreserve sind festgesetzt und liegen zwischen 76 und 888,5 Euro pro Megawattsekunde und Jahr. Anbieter können diese Sätze für bis zu zehn Jahre sichern. Für Betreiber von Batteriespeichern ist der finanzielle Anreiz beträchtlich: Ein 100-MW/100-MWh-System könnte bei optimaler Ausrichtung auf den Service bis zu 3,6 Millionen Euro jährlich einbringen. Selbst kleinere Anbieter könnten mit bis zu 36.000 Euro pro Megawatt und Jahr rechnen.
Trotz der Chancen hatte bis zum 24. Februar 2026 noch kein Anbieter die vollständige Qualifikation erreicht. Das Verfahren bleibt offen, während Unternehmen daran arbeiten, die technischen Standards für die Teilnahme zu erfüllen.
Die Einführung der Momentanreserve spiegelt den Wandel der deutschen Energielandschaft wider. Mit dem Ausstieg aus Kohle- und Gaskraftwerken werden schnellere und flexiblere Lösungen benötigt, um das Netz stabil zu halten. Batteriebetreiber und Speicheranbieter erhalten damit eine neue Einnahmequelle – vorausgesetzt, sie erfüllen die strengen Leistungsvorgaben.






