Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken leicht – warum immer weniger Menschen grenzüberschreitend arbeiten
Rebekka LangernAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken leicht – warum immer weniger Menschen grenzüberschreitend arbeiten
Die Zahl der Pendler, die nach Sachsen-Anhalt ein- und ausreisen, ist leicht zurückgegangen. Stand Juni 2025 kamen etwa 75.700 Menschen aus anderen Bundesländern in die Region, um hier zu arbeiten, während 148.000 Einwohner für ihren Job in andere Gebiete pendelten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen leichten Rückgang, der sich in den größeren Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Demografie widerspiegelt.
Mittlerweile pendelt etwa jeder fünfte erwerbstätige Einwohner Sachsen-Anhalts über die Landesgrenzen hinweg. Die häufigsten Ziele der auswärts arbeitenden Pendler waren Sachsen, Niedersachsen und Thüringen. Viele von ihnen üben qualifizierte Tätigkeiten in der Fertigungsindustrie, im Einzelhandel, in der Kfz-Instandhaltung, im Transport- und Logistiksektor sowie im Baugewerbe aus.
Die Einpendler stammen größtenteils aus denselben Nachbarbundesländern, darunter auch Brandenburg. Zudem reisten rund 5.400 Beschäftigte aus dem Ausland an, um in Sachsen-Anhalt zu arbeiten.
Der Rückgang des grenzüberschreitenden Pendelns lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Die Bevölkerung des Landes ist aufgrund des demografischen Wandels – das Durchschnittsalter stieg von 47,4 Jahren im Jahr 2019 auf 49,2 Jahre im Jahr 2024 – und einer hohen Abwanderung, insbesondere unter jungen Menschen, geschrumpft. Zwischen 2020 und 2024 verließen jährlich etwa 15.000 mehr Einwohner die Region, als hinzuzogen.
Auch wirtschaftliche Veränderungen spielten eine Rolle. Die Arbeit im Homeoffice nahm nach der COVID-19-Pandemie stark zu – von 5 Prozent im Jahr 2019 auf 25 Prozent bis 2023. Gleichzeitig verbesserten sich die lokalen Arbeitsmarktchancen, begünstigt durch Großinvestitionen wie Teslas 20-Milliarden-Euro-Gigafactory und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit von 7,5 auf 5,8 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Markus Behrens, Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, nannte zudem eine schwächere Beschäftigungsdynamik als weiteren Grund für den Rückgang der Pendlerzahlen.
Der leichte Rückgang beim Pendeln spiegelt sowohl demografische als auch wirtschaftliche Veränderungen in Sachsen-Anhalt wider. Durch den Rückgang junger Einwohner, mehr Möglichkeiten für Remote-Arbeit und ein stärkeres lokales Arbeitsplatzangebot müssen weniger Menschen für ihre Arbeit die Landesgrenzen überqueren. Der Trend passt zu den übergeordneten Entwicklungen von regionalem Beschäftigungswachstum und Bevölkerungsrückgang.