Rekordhoch bei Militärausgaben: Wie Europa seine Rüstungsindustrie revolutioniert
Dorit GierschnerRekordhoch bei Militärausgaben: Wie Europa seine Rüstungsindustrie revolutioniert
Weltweite Konflikte treiben Militärausgaben auf Rekordniveau und verändern die Rüstungsindustrie in Europa
Die globalen Spannungen haben die Rüstungsausgaben auf historische Höchststände getrieben und die Verteidigungsindustrie in ganz Europa umgestaltet. Österreichs Waffenexportsektor verzeichnet einen deutlichen Anstieg – allein 2025 wurden rüstungsrelevante Geschäfte im Wert von fast 4 Milliarden Euro genehmigt. Gleichzeitig expandieren große Hersteller wie Rheinmetall rasant, um die stark gestiegene Nachfrage nach Waffen und Munition zu bedienen.
Der Krieg in der Ukraine, der nun im vierten Jahr andauert, sowie die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten haben weltweit einen Anstieg der Verteidigungsbudgets ausgelöst. Allein in Europa wird für dieses Jahr ein Zuwachs der Militärausgaben um elf Prozent erwartet. Trotz des Booms kaufen die meisten Länder ihre Ausrüstung jedoch weiterhin eigenständig anstatt über gemeinsame Programme – was das Wachstum der Unternehmen begrenzt.
Österreich hat seit 2022 seine eigenen Streitkräfte deutlich aufgerüstet. Zu den Neubeschaffungen zählen 14.400 modernisierte StG77-Gewehre, 36 Skyranger-Flugabwehrsysteme und 225 gepanzerte Fahrzeuge vom Typ Pandur Evolution. Weitere Bestellungen umfassen 50 Varianten des Ulan, 100 Hägglunds-Kettenfahrzeuge sowie 50 Dingo-Patrouillenfahrzeuge. Geplant sind zudem präzisionsgelenkte Munition und Drohnenabwehrsysteme.
Rheinmetall verzeichnete 2025 einen Umsatzanstieg von 29 Prozent, mit Prognosen von bis zu 45 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Um den Bedarf zu decken, will das Unternehmen 10.000 neue Mitarbeiter einstellen. Österreichs Rüstungsexporte bleiben jedoch durch Neutralitätsgesetze eingeschränkt, die Lieferungen in aktive Konfliktgebiete wie die Ukraine verbieten.
Europas zersplitterte Märkte und ein schwaches Start-up-Ökosystem bremsen weiterhin die Innovation. Häufig scheitert die Forschung an der Umsetzung in die Serienproduktion, sodass trotz hoher Investitionen Lücken in der Verteidigungstechnologie bestehen.
Die Rüstungsindustrie wächst so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr – angetrieben durch anhaltende Kriege und steigende Sicherheitsrisiken. Österreichs Verteidigungssektor profitiert zwar von höheren Exporten, doch rechtliche Hürden begrenzen seine Reichweite. Mit der Hochfahrt der Produktion bei Rheinmetall und anderen Unternehmen zeigt die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft keine Anzeichen einer Verlangsamung.