Saisonarbeiter in Deutschland: Ausbeutung trotz Mindestlohn und neuer Tarifverträge
Bela WinklerSaisonarbeiter in Deutschland: Ausbeutung trotz Mindestlohn und neuer Tarifverträge
Saisonarbeiter in Deutschland leiden weiterhin unter harten Bedingungen – Berichte über illegale Lohnabzüge, überlange Arbeitszeiten und menschenunwürdige Unterkünfte häufen sich. Trotz jüngster Lohnerhöhungen für einige landwirtschaftliche Beschäftigte verdienen ungelernte Saisonkräfte monatelang nur den Mindestlohn, während die Durchsetzung von Arbeitsgesetzen weiter schwächelt.
Im Jahr 2023 waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Doch die genaue Zahl und Herkunft dieser Kräfte bleibt unklar. Einige Betriebe behalten bis zu 1.000 Euro illegal vom Lohn ein, andere verlangen Arbeitswochen von bis zu 70 Stunden. Die Lebensbedingungen auf manchen Höfen werden zudem als katastrophal beschrieben.
Die Bundesregierung hat kürzlich die sozialabgabenfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage pro Jahr verlängert – eine Regelung, die Arbeiter ohne ausreichenden Schutz lässt und das Unfallrisiko erhöht. Gleichzeitig sind die Kontrollen in Betrieben drastisch zurückgegangen: von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024.
Ein neuer Tarifvertrag sieht zwar eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate für Landarbeiter vor. Ungelernte Saisonkräfte erhalten jedoch in den ersten vier Monaten weiterhin nur den gesetzlichen Mindestlohn. Der Deutsche Bauernverband fordert sogar eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter – unterstützt von der rechtspopulistischen AfD und der Unionspartei CDU.
Gewerkschaften fordern EU-weite grenzüberschreitende Beratungsnetzwerke, um mobile Arbeitskräfte zu unterstützen. Die Initiative Faire Agrararbeit kooperiert mit internationalen Organisationen, um mehrsprachige Kampagnen zu starten, die angeworbene Arbeiter über lokale Gesetze und Hilfsangebote aufklären. Auch die EU-Agrarpolitik (GAP) könnte eine Rolle spielen, indem sie Subventionen für Betriebe streicht, die gegen Arbeitsrechte verstoßen.
Trotz einzelner vorbildlicher Höfe bleiben die strukturellen Probleme der Branche bestehen. Bei nachlassender Kontrolle und geschwächten Arbeitnehmerrechten sind Saisonkräfte weiter schutzlos ausgeliefert. Kampagnen und mögliche EU-Maßnahmen könnten zwar Linderung bringen – doch die systematische Ausbeutung betrifft weiterhin Tausende.






