Sicherheitsdebatte im Schienenverkehr: Warum die Zweipersonenregelung gescheitert ist
Vesna DöhnSicherheitsdebatte im Schienenverkehr: Warum die Zweipersonenregelung gescheitert ist
Tödlicher Angriff auf Zugbegleiter im Februar 2024 entfacht bundesweite Debatte über Sicherheit im Schienenverkehr
Die jüngste Verkehrsministerkonferenz (VMK) hat Forderungen nach einer verpflichtenden Zweipersonenbesetzung in Zügen abgelehnt und setzt stattdessen auf regionale Lösungen. Dies geschieht vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitsmaßnahmen der Deutschen Bahn, die unter anderem Körperkameras einführen und Kontrollen erleichtern – während Gewerkschaften vor zunehmender Gewalt gegen Beschäftigte warnen.
Die VMK traf sich am 25. und 26. März 2026 in Lindau, um über Sicherheitsverbesserungen nach dem Vorfall im Februar zu beraten. Die Minister lehnten starre, bundesweite Vorgaben für eine durchgehende Doppeltbesetzung ab und betonten, dass Personalstärken "regional und bedarfsgerecht" festgelegt werden sollten. Baden-Württemberg hatte zwar bereits Pilotprojekte für Zweierteams gestartet, diese waren jedoch vor dem aktuellen Beschluss initiiert worden und keine direkte Reaktion darauf.
Gewerkschaften wie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordern seit Langem eine verbindliche Zweipersonenregelung als Sicherheitsstandard. EVG-Chef Martin Burkert kritisierte die Entscheidung der Minister scharf: Frontmitarbeiter seien zunehmend Gewalt ausgesetzt, ohne dass es ausreichenden Schutz gebe. Die VMK begrüßte zwar die jüngsten Sicherheitsaufrüstungen der Deutschen Bahn – etwa Körperkameras und vereinfachte Personenkontrollen –, verwies aber auf die hohen Kosten weiterer Maßnahmen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder kündigte an, die bestehenden Maßnahmen bis Ende April zu überprüfen. Er betonte, die Bundesregierung bewege sich innerhalb des bewilligten Haushalts und habe kaum Spielraum für zusätzliche Mittel. Der VMK-Beschluss lehnt pauschale Vorgaben ab und setzt auf flexible, an lokale Bedürfnisse angepasste Lösungen.
Mit der Ablehnung einer bundesweiten Zweipersonenregelung bleibt die Verantwortung für Sicherheitsentscheidungen bei den einzelnen Bundesländern. Die neuen Maßnahmen der Deutschen Bahn gelten vorerst weiter, doch die Gewerkschaften bestehen auf strengere Schutzvorkehrungen für das Personal. Die für April geplante Bundesprüfung wird zeigen, ob weitere Schritte folgen.






