11 March 2026, 12:13

Unbekannte Tagebücher: Wie ein Jurist die NS-Zeit aus bürgerlicher Sicht erlebte

Eine detaillierte Karte von Wiesbaden, Deutschland, mit verschiedenen Blautönen, Grüntönen und Gelbtönen, die verschiedene Gebiete darstellen, begleitet von Text, der die Geschichte der Stadt, die Bevölkerung, Sehenswürdigkeiten und interessante Punkte beschreibt.

Unbekannte Tagebücher: Wie ein Jurist die NS-Zeit aus bürgerlicher Sicht erlebte

Öffentlicher Vortrag beleuchtet das Leben von Hans Gmelin – Jurist und Zeitzeuge bewegter Epochen

Am 12. Oktober findet im Stadmuseum am Marktplatz um 11:00 Uhr ein kostenloser öffentlicher Vortrag statt, der sich mit dem Leben von Hans Gmelin beschäftigt – einem deutschen Juristen und Politiker, der prägende historische Abschnitte miterlebte. Der lokale Historiker Ralf A. Gmelin, sein Enkel, wird erstmals persönliche Manuskripte seines Großvaters präsentieren.

Hans Gmelin (1887–1952) durchlebte die Kaiserzeit, die Weimarer Republik und die frühen Jahre der NS-Herrschaft. Nach einem Jurastudium in Tübingen und Leipzig promovierte er 1911. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat, bevor er 1919 als Rechtsberater der Stuttgarter Handelskammer tätig wurde. Von 1920 bis 1933 vertrat er als wirtschaftspolitischer Experte die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) im Badischen Landtag und führte dort zeitweise die Fraktion an.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zog sich Gmelin aus der Politik zurück. Sein Enkel Ralf A. Gmelin gibt nun Einblick in bisher unveröffentlichte Tagebücher und Aufzeichnungen aus dem Jahr 1940 – ein seltenes Zeugnis bürgerlichen Lebens unter der Diktatur. Der Vortrag mit dem Titel "1940: Die versunkene bürgerliche Welt" ist Teil der Reihe "Heimatforscher – 4. Staffel".

Die Besucher erwarten authentische Schilderungen von Gmelins Alltag, privaten Gedanken und Beobachtungen in einer von Umbrüchen geprägten Zeit. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Die Matinee bietet direkten Zugang zu historischen Dokumenten, die jahrzehntelang unter Verschluss blieben. Gmelins Aufzeichnungen zeigen, wie gebildete Bürgerliche die frühen 1940er-Jahre erlebten. Die Veranstaltung ist Teil des laufenden Programms des Stadtmuseums zur Regionalgeschichte.

Quelle