Volksfeste, Herrenschneiderei und St. Martin: Was Deutschlands neues Kulturerbe ausmacht
Rebekka LangernVolksfeste, Herrenschneiderei und St. Martin: Was Deutschlands neues Kulturerbe ausmacht
Deutschland hat seine Liste des immateriellen Kulturerbes um neue Einträge erweitert, die von Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt gegeben wurden. Zu den jüngsten Aufnahmen zählen die Schaustellerkultur auf Volksfesten, die Herrenschneiderei sowie regionale Bräuche wie die Ostseefischerei und die Laternenumzüge zu St. Martin. Nicht alle Einreichungen erfüllten jedoch die strengen Kriterien für eine Anerkennung.
Die Tradition der Schausteller auf Volksfesten wurde offiziell als zentraler Bestandteil des deutschen immateriellen Kulturerbes anerkannt. Die Entscheidung würdigt die Kultur als Symbol für Kreativität, Vielfalt und Innovation. Gleichzeitig erhielt auch das handwerkliche Können der Herrenschneiderei diesen Status – wenn auch mit der Frage, worin sich die deutsche Praxis von ähnlichen Traditionen in anderen europäischen Ländern unterscheidet. Befürworter betonen, dass damit deutsche Handwerkskunst und Tradition gewürdigt werden.
Weitere neu aufgenommene Bräuche sind die Ostseefischerei, das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz sowie die St.-Martins-Umzüge im Rheinland. Die Ergänzungen spiegeln die kulturelle Vielfalt im Land wider. Doch Weimers strenges Auswahlverfahren führte auch zu Auslassungen: So scheiterte etwa die Bratwurst vom SPD-Sommerfest an der fehlenden Landesförderung.
Weimers Vorgehen sorgte zudem für Kontroversen. Kürzlich strich er ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds – ein Schritt, der Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern auslöste.
Die aktualisierte Liste des Kulturerbes vereint nun regionale Bräuche, handwerkliche Fertigkeiten und festliche Traditionen. Zwar standen einige Einträge wegen ihrer Einzigartigkeit in der Kritik, doch die Auswahl unterstreicht Deutschlands Engagement für den Erhalt vielfältiger kultureller Ausdrucksformen. Die Debatte über Fördergelder und Anerkennungskriterien bleibt indes ungelöst.






