Winzige Zikade bedroht Ernten und treibt Landwirte in die Pestizid-Falle
Dorit GierschnerWinzige Zikade bedroht Ernten und treibt Landwirte in die Pestizid-Falle
Winziges Insekt bereitet europäischen Landwirten große Sorgen
Die Zikade Hyalesthes obsoleta, auch als Schilf-Zikade bekannt, saugt Pflanzensaft und verbreitet so Krankheiten in Zuckerrüben und Kartoffeln – mit gravierenden Folgen für die Ernte. Trotz aller Bekämpfungsversuche gedeiht der Schädling in modernen Anbausystemen prächtig und zwingt Landwirte zum Einsatz umstrittener Pestizide.
Die Schilf-Zikade hat sich perfekt an die heutigen großflächigen Monokulturen angepasst. Ausgewachsene Tiere fliegen in Rüben-, Kartoffel- und Gemüsefelder ein, ernähren sich vom Pflanzensaft und legen ihre Eier im Boden ab. Die Larven überwintern unter der Erde, befallen im Frühjahr die Wurzeln der Kulturen und schlüpfen später als adulte Insekten.
Das eigentliche Problem sind jedoch die Krankheitserreger, die die Zikade überträgt. Da diese sich nicht direkt behandeln lassen, leidet die Qualität der Ernte. Viele Landwirte greifen daher zu Neonikotinoiden – einer Pestizidgruppe, die zwar gegen die Zikade wirkt, aber Bienen und anderen Bestäubern schadet. Wegen der Risiken für Insekten hat die EU den Einsatz stark eingeschränkt, doch Notfallzulassungen bleiben an der Tagesordnung.
Wirtschaftlicher Druck und politische Entscheidungen halten die Pestizide im Umlauf, während die langfristigen Folgen zunehmend kritisch gesehen werden. Unterdessen diskutiert der Deutsche Bauernverband über Reformen der Pestizidregulierung – insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen durch den Verlust wirksamer Wirkstoffe im Pflanzenschutz.
Die Widerstandsfähigkeit der Schilf-Zikade offenbart die Spannungen zwischen industrieller Landwirtschaft und ökologischen Grenzen. Während Krankheitserreger wichtige Kulturen schädigen und Pestizidbeschränkungen die Bekämpfung erschweren, stehen Landwirte vor schwierigen Entscheidungen. Die Debatte über den Chemikalieneinsatz und notwendige Reformen der Zulassungspraxis wird voraussichtlich weitergehen – denn die Landwirtschaft muss Erträge und Nachhaltigkeit in Einklang bringen.






