ADNOC übernimmt Covestro: Deutsche Chemieindustrie im radikalen Wandel und kämpft um ihre Zukunft
Dorit GierschnerADNOC übernimmt Covestro: Deutsche Chemieindustrie im radikalen Wandel und kämpft um ihre Zukunft
Umbruch in der deutschen Chemieindustrie: ADNOC übernimmt Covestro – Branche kämpft mit Produktionsrückgang und Stellenabbau
Die deutsche Chemieindustrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen, nachdem der staatliche Ölkonzern ADNOC die Übernahme von Covestro finalisiert hat. Der Deal markiert den jüngsten Einschnitt in einem Sektor, der mit sinkender Produktion und Stellenstreichungen zu kämpfen hat. Gleichzeitig ist mit der Fusion wichtiger Tochterunternehmen von ADNOC und OMV zur Borouge Group International (BGI) ein neuer globaler Kunststoffriese entstanden.
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC erreichte zwar Ende 2025 ihre letzte Phase, doch seither hat der Unternehmenswert deutlich nachgegeben. Lag die Marktkapitalisierung bei Abschluss der Transaktion noch bei rund 14,7 Milliarden Euro, sank sie bis Anfang 2026 auf etwa 12,35 bis 12,41 Milliarden Euro. Dieser Rückgang folgt auf enttäuschende Ergebnisse für 2025, darunter ein Einbruch des EBITDA um 31 Prozent auf 740 Millionen Euro. Zudem treibt der Mehrheitsaktionär XRG im Rahmen eines Squeeze-out die Abwicklung des Börsenhandels voran – die Aktie notierte zuletzt bei 59,54 Euro, nur knapp über der Barabfindung von 59,46 Euro pro Anteilsschein.
Doch die Probleme beschränken sich nicht auf Covestro: BASF-Chef Markus Kamieth bezeichnete die aktuelle Lage als die "schwierigste seit 25 Jahren". Der US-Konzern Dow kündigte Werksschließungen in Ostdeutschland an, während das Ifo-Institut bis 2026 mit weiteren Produktionskürzungen und Arbeitsplatzverlusten rechnet. Trotz dieser Herausforderungen einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber kürzlich auf einen Tarifkompromiss. Dieser sieht eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent im Jahr 2027 sowie eine zusätzliche Steigerung um 2,4 Prozent ab Januar 2028 vor.
Mitten in der Krise haben ADNOC und OMV mit der Zusammenlegung von Borealis, Borouge und Nova Chemicals die Borouge Group International (BGI) gegründet. Das neue Unternehmen wird zum viertgrößten Kunststoffhersteller der Welt aufsteigen – mit Covestro als künftigem Teil des Konzerns. Als CEO von BGI wird Roger Kearns fungieren, während Stefan Doboczky die Position des Chief Commercial Officers übernimmt.
Die Umstrukturierung der Branche schreitet voran: Covestros Börsenrückzug und die Gründung von BGI verändern die Marktlandschaft nachhaltig. Zwar bieten die Tarifabschlüsse den Beschäftigten eine gewisse Planungssicherheit, doch Werksstilllegungen und Produktionsrückgänge deuten auf anhaltende Turbulenzen hin. Wie die Unternehmen auf die nachlassende Nachfrage und die verschobenen Eigentumsverhältnisse reagieren, wird über die Zukunft des Sektors entscheiden.






