22 March 2026, 06:15

Ex-Staatssekretär Graichen zerlegt Deutschlands zögerliche Energiewende – und zeigt Skandinaviens Erfolgsrezept

Liniendiagramm, das die Stromerzeugung aus Wind und Sonne in Deutschland zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Habecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen zerlegt Deutschlands zögerliche Energiewende – und zeigt Skandinaviens Erfolgsrezept

Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär, hat die aktuelle Energiestrategie Deutschlands scharf kritisiert. Sein Vorwurf: Das Land sei trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen weiterhin zu stark von Öl und Gas abhängig. Die Äußerungen kommen, nachdem Graichen im vergangenen Jahr wegen eines Interessenkonflikts vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war.

Als Vorbild verweist Graichen auf Skandinavien, wo Energiebedarf und Klimaziele besser in Einklang gebracht würden. Deutschland solle dem Beispiel folgen und den Ausbau von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen vorantreiben.

Im Mai 2023 hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Graichen vorübergehend von seinem Posten befreit. Der Schritt erfolgte nach Vorwürfen, Graichen habe bei der Besetzung des Aufsichtsrats der Deutschen Energie-Agentur (dena) in einen Interessenkonflikt geraten. Seitdem äußert sich Graichen öffentlich kritisch zur Energiepolitik der Regierung.

Er wirft Parteien wie CDU/CSU und SPD vor, ihre Positionen unter Druck verändert zu haben. Wirtschaftliche Verflechtungen mit der Öl- und Gasbranche, rechtspopulistischer Einfluss und Widerstand gegen Veränderungen prägten die Entscheidungen, so Graichen. Diese Faktoren verzögerten notwendige Reformen.

Als Erfolgmodell führt Graichen die Entwicklungen in Skandinavien der letzten fünf Jahre an: Norwegen deckt mittlerweile 98 Prozent seines Strombedarfs aus Wasserkraft, Dänemark setzt zu 70 Prozent auf Windenergie. Diese Wende hat auch die Verbreitung von Wärmepumpen beschleunigt – in Schweden stieg ihre Zahl von 1,5 auf 2,2 Millionen Geräte, in Norwegen nutzen mittlerweile 70 Prozent der Haushalte die Technologie. Auch bei Elektroautos liegt Skandinavien vorn: In Norwegen entfallen 90 Prozent der Neuzulassungen auf Stromer, in Schweden 50 und in Dänemark 45 Prozent.

Graichen fordert Deutschland auf, ähnliche Schritte zu gehen. Seine Vorschläge umfassen die Abschaffung der Stromsteuer sowie eine Reform der Netzentgelte. Dadurch würden grüne Technologien für Haushalte erschwinglicher, argumentiert er.

Davon abzurücken, dass der Klimawandel ignoriert werden könne, sei keine Lösung, warnt Graichen. Er prognostiziert, dass Nachhaltigkeit irgendwann unvermeidbar werde – und dann ein radikales Umdenken erzwingen könnte. Bis dahin riskiere Deutschland, im internationalen Vergleich bei der Energiewende weiter zurückzufallen.

Graichens Kritik setzt die deutsche Energiepolitik unter Druck. Seine Forderungen zielen auf Steuerreformen und Infrastrukturänderungen ab, um den grünen Wandel zu beschleunigen. Ob die Regierung seine Empfehlungen aufgreift, bleibt jedoch offen.

Skandinaviens Fortschritte bei Erneuerbaren, Wärmepumpen und E-Mobilität zeigen einen klaren Alternativweg auf. Deutschlands nächste Schritte werden entscheiden, wie schnell das Land aufholt – oder noch weiter den Anschluss verliert.

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