09 May 2026, 14:16

Gedenken an Halles Befreiung eskaliert in politischen Streit um Symbole und Geschichte

Denkmal mit farbenfrohem Blumenstrauß auf einem Gehweg neben informativen Schildern an einer Wand.

Gedenken an Halles Befreiung eskaliert in politischen Streit um Symbole und Geschichte

Spannungen beim 81. Jahrestag der Befreiung Halle (Saale)s

Die Stimmung war geladen beim diesjährigen Gedenken an die Befreiung Halle (Saale)s vor 81 Jahren. Was als Ehrung für Widerstandskämpfer:innen und sowjetische Kriegsopfer gedacht war, entwickelte sich zu einem politischen Zankapfel. Streit entbrannte über Symbole, Reden und das Erbe des antifaschistischen Kampfes.

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Die Gedenkveranstaltung begann mit Kranzniederlegungen am Sowjetischen Ehrenmal und im Hain für die deutschen Widerstandskämpfer. Unter den 977 in Halle-Süd bestatteten Sowjetbürger:innen befand sich niemand, der die Stadt tatsächlich befreit hatte – dies gelang 1945 der US-amerikanischen 104. Infanteriedivision. Dennoch stand die Rolle der Roten Armee im Kampf gegen den Faschismus im Mittelpunkt der Erinnerung.

Für Unruhe sorgte der Auftritt von Mitgliedern der Haller Bewegung, die mit russischen Fahnen und Symbolen erschienen. Veranstalter:innen und Teilnehmer:innen reagierten empört und warfen der Gruppe gefährliche Verbindungen zur rechtsextremen AfD sowie Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine vor. Kritiker:innen warnten, solche Auftritte verzerren den Sinn der Gedenkfeier.

Die Reden vertieften die Gräben. Gisela Döring vom VVN-BdA würdigte die Männer und Frauen, die sich dem faschistischen Terror widersetzten, und bezeichnete ihren Mut als bleibende Lehre. Lukas Wanke, ebenfalls VVN-BdA, betonte, das „Nie wieder“ der Widerstandskämpfer dulde keine Ausnahmen – dürfe aber auch moderne Ungerechtigkeiten nicht rechtfertigen. Eric Stehr, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken in Sachsen-Anhalt, forderte entschlossenen Widerstand gegen Faschismus – egal ob in alter oder neuer Form.

Dr. Judith Marquardt, Halles Kulturdezernentin, legte im Namen von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt den offiziellen Kranz nieder. Die Geste sollte das Bekenntnis der Stadt zur Erinnerung an die Befreiung unterstreichen – doch die Debatten überschatten die Feierlichkeiten.

Die Veranstaltung endete mit ungelösten Spannungen zwischen denen, die den historischen Widerstand ehren wollten, und Gruppen, denen vorgeworfen wird, sein Erbe für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Sowohl Verantwortliche als auch Aktivist:innen betonten die Notwendigkeit, dem Faschismus in allen Erscheinungsformen entgegenzutreten. Doch die Präsenz polarisierender Symbole wirft Fragen auf, wie solche Gedenkfeiern künftig gestaltet werden können.

Quelle