Politische Wende in Kempten: CSU verliert Oberbürgermeister-Amt nach 30 Jahren
Rebekka LangernPolitische Wende in Kempten: CSU verliert Oberbürgermeister-Amt nach 30 Jahren
Nach 30 Jahren ununterbrochener CSU-Führung hat sich die politische Landschaft in Kempten grundlegend verändert. Der zweimalige Oberbürgermeister Thomas Kiechle verlor sein Amt in der Stichwahl. Christian Schoch von den Freien Wählern setzte sich mit 55 Prozent der Stimmen durch und beendete damit eine Ära der CSU in der Stadt.
Erstmals hatte die CSU 1996 das Rathaus in Kempten übernommen, als Ulrich Netzer die Oberbürgermeisterwahl gegen die SPD gewann. Unter seiner Führung dominierte die Partei die lokale Politik, erreichte bei Kommunalwahlen regelmäßig 40 bis 50 Prozent der Stimmen. Im Laufe der Jahre schwand die Unterstützung für die SPD von etwa 25 Prozent in den 1990er-Jahren auf unter 10 Prozent im Jahr 2024.
Netzer übergab das Amt 2014 an Thomas Kiechle, der die CSU-Vorherrschaft fortsetzte. Kiechle, Sohn des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Ignaz Kiechle, regierte zwei Amtszeiten, bevor er nun die Niederlage hinnehmen musste. Währenddessen stiegen die Grünen von einem einstigen Stimmenanteil von fünf Prozent auf 20 bis 25 Prozent, die Freien Wähler erreichten 15 bis 20 Prozent, und die AfD etablierte sich nach 2014 mit 10 bis 15 Prozent.
In der Stichwahl setzte sich Schoch mit 55 Prozent klar gegen Kiechles 45 Prozent durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,6 Prozent – ein Zeichen für das öffentliche Interesse an diesem eng umkämpften Rennen.
Das Wahlergebnis beendet die fast drei Jahrzehnte währende Vorherrschaft der CSU im Kemptener Rathaus. Schochs Sieg verlagert die Macht auf die Freien Wähler und markiert eine politische Wende für die Stadt. Der Wechsel folgt auf Jahre sich wandelnder Wählerpräferenzen und wachsender Unterstützung für alternative Parteien.






