Venedigs Biennale 2025: Kunst zwischen Boykott-Debatten und Publikumspreisen
Dorit GierschnerVenedigs Biennale 2025: Kunst zwischen Boykott-Debatten und Publikumspreisen
Die 61. Biennale von Venedig hat ihre Tore für das Publikum geöffnet und präsentiert in diesem Jahr 100 nationale Pavillons und 111 Künstler:innen unter dem Motto „In Moll-Tönen“. Kuratiert von Koyo Kouoh, läuft die Ausstellung noch bis zum 22. November 2025. Doch die Kontroverse um einen Boykott Israels und Russlands für die Ausgabe 2026 wirft einen Schatten auf das Festival.
Sämtliche fünf Mitglieder der internationalen Jury der Biennale traten aus Protest zurück – mit Verweis auf Vorwürfe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die gegen Israel und Russland erhoben werden. Ihr Rückzug zwang die Organisatoren, die Verleihung der Goldenen Löwen zu verschieben und stattdessen die „Besucher-Löwen“ einzuführen, ein Publikumspreis, der per Abstimmung vergeben wird. Sowohl die Biennale-Stiftung als auch die italienische Regierung lehnten den Boykott ab und betonten die institutionelle Neutralität der Veranstaltung.
Der israelische Pavillon „Rose der Nichtigkeit“ wird von Michael Gov zusammen mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller kuratiert und zeigt Werke des Künstlers Belu-Simion Fainaru. Russlands Ausstellung 2025 „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“ steht unter der Leitung von Anastasiia Karneeva und umfasst rund 40 Künstler:innen.
Portugal ist mit „RedSkyFalls“ des Künstlers Alexandre Estrela im Palazzo Fondaco Marcello vertreten. Estrela kritisierte öffentlich die Teilnahme Israels und Russlands in diesem Jahr. Neben Portugal präsentieren sich auch Brasilien und Osttimor als Vertreter der lusophonen Welt auf der Biennale.
Neben den nationalen Pavillons umfasst das Festival 31 Begleitveranstaltungen, die ein breites Spektrum künstlerischer Ausdrucksformen bieten.
Die Ankündigung des Boykotts hat bereits Auswirkungen auf die Biennale 2026: Der Rücktritt der Jury veränderte die Preisstruktur in diesem Jahr. Trotz der Streitigkeiten läuft die 61. Ausgabe mit ihrem vollständigen Programm weiter – mit Werken aus über 100 Ländern. Bis zum Abschluss im November entscheidet nun das Publikum über die Vergabe der „Besucher-Löwen“.






